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The Pawnshop Clippings 92/99

Béla Balázs, Der Tag, Wien, Österreich, December 22, 1922.

Béla Balázs, portrait, undated

& Béla Balázs, Der Mantel der Träume, München 1922,

Book Cover, Bild von Mariette Lydis, ZVAB


„Er ist der moderne, amerikanische Schildbürger“

Editorial content.


Redaktioneller Inhalt. „Der Filmreporter

      Chaplin oder der amerikanische Schildbürger.

      Die vergangene Woche stand in seinem Zeichen. Fünf

Chaplinfilme liefen auf einmal. Die Chaplinomanie

scheint auch bei uns um sich zu greifen, und man frägt sich,

worin eigentlich der Zauber dies plattfüßigen

amerikanischen Clowns liegt?“ (...)

      „Der Ausdruck des Bauernhumors waren die

Schildbürgermärchen. Die Geschichten von

den dummen Bauern, die das Sonnenlicht in Säcken in die

fensterlose Kirche tragen wollten. Nun, Chaplin

als Pfandleiher untersucht die zum Versetzen gebrachte Uhr

mit dem Stetoskop und macht sie dann mit dem

Kondensöffner auf. Er ist der moderne, amerikanische

Schildbürger. Er bringt zum erstenmal nach der

naiven – sozusagen agrarischen Komik des Bauern – die

Schildbürgerkomik der industrialisierten Großstadt.

      Doch Chaplin ist zwar unpraktisch – aber er ist gar nicht

ungeschickt. Im Gegenteil. Er ist ein verhext geschickter

Akrobat. Darum wird sein Kampf mit den, ihm fremden Dingen

der Zivilisation zu einem aufregend heroischen Duell,

in dem er endlich doch siegt. Es liegt darin irgend eine groteske

und spöttische Empörung gegen diese Maschinen-

zivilisation. Das ist das Tiefe in Chaplins Kunst, das sich

in der rührenden Melancholie seines Mienenspiels

als die zivilisationsfremde, verlassene naive Menschlichkeit

zeigt. Er ist doch ein großer Künstler. Und das

Ifa-Palastkino tat gut daran, einen ganzen Abend ihm

zu widmen.“ (...)

      Ifa Palast (Ferdinand, Schweden) Kino, Taborstraße 1-3, Wien II.


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Chaplins Schatten

Bericht einer Spurensicherung