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City Lights Clippings 302/387
Heinz Pol, Vossische Zeitung, Berlin, Dtl., March 27, 1931.
Frankfurter Zeitung Legitimation Gültig für 1933
Herr Dr. S. Kracauer, Berlin, ist von der Redaktion
beauftragt, die Frankfurter Zeitung als Redakteur zu vertreten. (...) Frankfurt am Main, den 14. Februar 1933
(...) Photo, Deutsches Literaturarchiv Marbach
& Lichter der Großstadt – eine Folge der herrlichsten Pantomimen. Chaplin beweist in ihnen von neuem, dass er die
Gebärdensprache auf eine Weise zu reden versteht, die jedes
gesprochene Wort zum Schädling macht. Mehr noch:
er erfindet Gesten und mimische Situatioen, durch die eine
Haltung, die sich sprachlich nur schwer umschreiben
läßt, mit einem Schlag den Kindern und Erwachsenen aller
Völker verständlich wird.
Einstein hat dem Künstler in Berlin seine Photographie mit
der Unterschrift: „Charlie Chaplin, dem Nationalökonomen“
geschenkt. Ob Chaplin sich viel mit Nationalökonomie beschäftigt
hat, weiß ich nicht. Aber aus seinen Filmen weiß jeder, daß
er ein Freund der Schwächeren, der Schlechtweggekommenen
ist und mit gutem Herzen und scharfem Auge unsere
gesellschaftliche Wildnis durchmißt. Als ein rechter Mensch
versucht er sich in ihr zu behaupten, und die einzelne
Pantomime stellt nichts weiter dar als eine solche Begegnung
zwischen ihm und der unrichtigen Welt.
Ich will auf gut Glück einige Szenen aus dem neuen Film
herausgreifen, die belegen, bis zu welchem Grade das
mimische Sprachschöpfertum Chaplins einem exemplarischen
menschlichen Grunde entwächst. Gleich am Anfang
zeigt er sich auf einem eben enthüllten Denkmal, das dem
„Frieden und Wohlstand“ des Volkes gewidmet ist.
Man muß dieses voluminöse Denkmal gesehen haben und
den in seinen Steinmassen verlorenen kleinen
Vagabunden, dem noch dazu das Riesenschwert einer der
drei Friedensfiguren die Hose zerschlitzt! Eine
komischere Travestie auf die konventionelle Heuchelei ist
kaum je ersonnen worden, und wenn Gelächter
zu töten vermag, so wird das durch diese Episode entfesselte
noch ganze Denkmalsdynastien dahinraffen.
(...) Siegfried Kracauer, Frankfurter Zeitung, 1931
„Las ein Herr ein Telegram von ihm vor, er sei verhindert“
Editorial content.
City Lights – Lichter der Großstadt – opens in Germany
March 26, 1931 at the Ufa-Palast am Zoo in Berlin.
Ufa-Palast am Zoo, Budapester Strasse, Berlin-Charlottenburg.
Redaktioneller Inhalt. „Chaplins Lichter der Großstadt
Deutsche Uraufführung im Ufa-Palast am Zoo
In diesem wehmütigsten aller Chaplin-Märchen verzichtet
Charlie von Anfang an auf das grosse Glück, auf das
er sonst immer gehofft hatte.“ (...)
„Der Verein Berliner Presse hatte die deutsche Uraufführung
in der würdigsten Form zu einer Festvorstellung für eine
erlesene Zuschauerschaft gemacht. Das Berliner Funkorchester
unter der Leitung des Generalmusikdirektors Hans v.
Hoeßlin spielte Richard Strauß‘ Till Eulenspiegel. Vor Beginn der
Acht-Uhr-Vorstellung stauten sich die Menschenmassen
um den Zoo-Palast herum. Viele glaubten und hofften, Chaplin
sei doch noch heimlich nach Berlin gekommen. Nein,
er war nicht gekommen. Nach Schluß des Films las ein Herr
ein Telegram von ihm vor, er sei verhindert. Er sitzt
wohl halb tot von den Huldigungen Europas auf einem Gut
in der Nähe von Paris. Heinz Pol.“
Heinz Pol (Heinz Pollack) hat zusammen
mit Charlotte Pol Chaplins Hallo Europa! (Leipzig 1928)
herausgegeben, übersetzt und bearbeitet.
Die deutsche Premiere von City Lights – Lichter der Großstadt –
findet am 26. März 1931 im Ufa-Palast am Zoo statt.
Ufa-Palast am Zoo, Budapester Strasse, Berlin-Charlottenburg.
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